Die Kognitive Psychologie: Denken, Wahrnehmung und Informationsverarbeitung
1. Was ist kognitive Psychologie?
Die
kognitive
Psychologie
untersucht,
wie
Informationen
aufgenommen,
verarbeitet,
gespeichert,
verändert
und
für
Handlungen
genutzt
werden.
Ihr
Gegenstand
sind
psychische
Prozesse
wie
Wahrnehmung,
Aufmerksamkeit,
Gedächtnis,
Sprache,
Denken,
Problemlösen,
Entscheiden,
Vorstellen,
Wissen
und
Handlungssteuerung.
Sie
fragt
also
danach,
wie
aus
Reizen
Bedeutung
entsteht,
wie
Wissen
aufgebaut
wird,
wie
Erinnerungen
gebildet
werden,
wie
Menschen
zu
Urteilen
gelangen
und
wie
sie
auf
Grundlage
innerer
Modelle
handeln (1, 2, 3).
Damit
steht
die
kognitive
Psychologie
zwischen
Verhalten,
Gehirn
und
subjektivem
Erleben.
Sie
interessiert
sich
nicht
nur
dafür,
was
ein
Mensch
äußerlich
tut,
sondern
auch
dafür,
welche
Informationsverarbeitungsprozesse
zwischen
Reiz
und
Reaktion
liegen.
Diese
Prozesse
werden
jedoch
nicht
frei
gedeutet,
sondern
über
überprüfbare
Modelle
beschrieben.
Eine
kognitive
Erklärung
ist
daher
nur
dann
wissenschaftlich
sinnvoll,
wenn
sie
konkrete
Vorhersagen
erlaubt:
etwa
über
Reaktionszeiten,
Fehlerarten,
Gedächtnisleistungen,
Aufmerksamkeitsverteilungen oder Entscheidungsverhalten (1, 3, 4).
Gerade
deshalb
ist
die
kognitive
Psychologie
für
die
Verhaltenstherapie
so
bedeutsam.
Gedanken,
Bewertungen,
Erwartungen
und
Aufmerksamkeitsmuster
werden
nicht
als
geheimnisvolle
innere
Kräfte
verstanden,
sondern
als
untersuchbare
und
veränderbare
Prozesse.
In
der
Therapie
kann
man
daher
konkret
fragen:
Welche
Situation
wurde
wahrgenommen?
Welche
Bedeutung
wurde
ihr
gegeben?
Welche
Erwartung
wurde
aktiviert?
Welche
Erinnerung
spielte
mit
hinein?
Welche
Handlung
wurde
dadurch
wahrscheinlicher? Und wie kann dieser Ablauf verändert werden?
2. Die kognitive Wende: Rückkehr des Geistes in die Psychologie
Die
kognitive
Psychologie
entwickelte
sich
wesentlich
als
Gegenbewegung
zu
den
Grenzen
des
Behaviorismus.
Der
klassische
Behaviorismus
wollte
Psychologie
auf
beobachtbares
Verhalten
beschränken.
Das
hatte
einen
wichtigen
wissenschaftlichen
Vorteil:
Spekulationen
über
nicht
beobachtbare
innere
Vorgänge
sollten
vermieden
werden.
Zugleich
wurde
aber
deutlich,
dass
Verhalten
nicht
ausreichend verstanden werden kann, wenn man Wahrnehmung, Gedächtnis, Erwartungen, Pläne und Bedeutungen ausblendet (1, 5).
Die
sogenannte
kognitive
Wende
bedeutete
deshalb
nicht
die
Rückkehr
zu
einer
spekulativen
Seelenlehre,
sondern
eine
methodisch
kontrollierte
Wiederaufnahme
innerer
Prozesse
in
die
wissenschaftliche
Psychologie.
Der
Mensch
wurde
zunehmend
als
informationsverarbeitendes
System
betrachtet.
Reize
werden
nicht
einfach
passiv
aufgenommen,
sondern
ausgewählt,
interpretiert,
mit
Wissen verbunden, im Gedächtnis gespeichert und für Handlungen genutzt (1, 3, 5).
Wichtig
ist
dabei
die
Abgrenzung:
Kognitive
Psychologie
bedeutet
nicht,
dass
man
beliebige
innere
Vorgänge
behauptet.
Sie
verlangt
Modelle,
die
präzise
genug
sind,
um
empirisch
geprüft
zu
werden.
Genau
darin
liegt
ihre
wissenschaftliche
Stärke.
Sie
erlaubt
Aussagen über innere Prozesse, ohne in freie Deutung oder bloße Plausibilitätserzählungen abzugleiten.
3. Das informationsverarbeitende Modell
Ein
zentrales
Modell
der
kognitiven
Psychologie
ist
die
Vorstellung
menschlicher
Informationsverarbeitung.
Informationen
gelangen
über
die
Sinnesorgane
in
ein
System,
werden
selektiert,
kurzfristig
gespeichert,
mit
vorhandenen
Wissensstrukturen
abgeglichen,
im
Gedächtnis
verankert,
abgerufen
und
für
Entscheidungen
oder
Handlungen
verwendet.
Solso
beschreibt
entsprechend
zentrale
Bereiche
wie
Wahrnehmung,
Mustererkennung,
Aufmerksamkeit,
Gedächtnis,
Wissensrepräsentation,
Sprache,
Denken,
Begriffsbildung sowie menschliche und künstliche Intelligenz als Gegenstandsbereiche der kognitiven Psychologie (1).
Diese
Sichtweise
wurde
lange
durch
die
Computermetapher
geprägt:
Der
Geist
wurde
mit
einem
System
verglichen,
das
Informationen
kodiert,
speichert,
abruft
und
verarbeitet.
Diese
Metapher
war
nützlich,
weil
sie
zu
präziseren
Modellen
führte.
Gleichzeitig
ist
sie
begrenzt.
Menschen
sind
keine
Computer.
Sie
haben
Körper,
Emotionen,
Bedürfnisse,
Lerngeschichten,
soziale
Erfahrungen
und
biologische
Voraussetzungen.
Moderne
kognitive
Psychologie
und
kognitive
Neurowissenschaft
versuchen
deshalb,
Informationsverarbeitung nicht isoliert, sondern in Verbindung mit Gehirn, Körper, Umwelt und Handlung zu verstehen (1, 2, 6).
Für
die
Psychotherapie
ist
dieser
Ansatz
besonders
fruchtbar,
weil
psychische
Beschwerden
häufig
als
ungünstige
Informationsverarbeitung
beschrieben
werden
können:
Bedrohungen
werden
überschätzt,
neutrale
Signale
als
Ablehnung
gedeutet,
eigene
Fehler
stärker
erinnert
als
Erfolge,
körperliche
Empfindungen
katastrophisierend
interpretiert
oder
Handlungsmöglichkeiten
zu
eng gesehen.
4. Wahrnehmung und Mustererkennung
Wahrnehmung
ist
kein
bloßes
Abbild
der
Außenwelt.
Das
Gehirn
konstruiert
aus
Reizen
eine
geordnete,
bedeutungsvolle
Wahrnehmung.
Dazu
werden
Informationen
aus
der
Umwelt
mit
Erwartungen,
Vorerfahrungen
und
vorhandenen
Wissensstrukturen
verbunden.
Optische
Täuschungen,
Kippfiguren
und
mehrdeutige
Reize
zeigen
besonders
anschaulich,
dass
Wahrnehmung
aktiv
organisiert wird (1, 3).
Die
Mustererkennung
ist
dabei
ein
zentrales
Thema.
Menschen
erkennen
Gesichter,
Gegenstände,
Buchstaben,
Stimmen,
Situationen
und
soziale
Signale
erstaunlich
schnell.
Dies
gelingt,
weil
das
Gehirn
nicht
jeden
Reiz
neu
analysieren
muss,
sondern
auf
gespeicherte
Muster,
Kategorien
und
Erwartungen
zurückgreift.
Das
ist
effizient,
kann
aber
auch
zu
Fehlern
führen:
Wer
in
einer
Situation
Gefahr
erwartet, erkennt möglicherweise schneller Bedrohung, auch wenn objektiv keine vorhanden ist.
Klassische
Wahrnehmungsexperimente
und
Untersuchungen
zu
Gestaltprinzipien
zeigen,
dass
Wahrnehmung
nach
Ordnungsprinzipien
arbeitet.
Nähe,
Ähnlichkeit,
Kontinuität,
Geschlossenheit
und
Figur-Grund-Unterscheidung
beeinflussen,
was
wir
sehen.
Die
kognitive
Psychologie
ergänzt
diese
Sicht
durch
die
Frage,
wie
Vorwissen,
Aufmerksamkeit
und
Gedächtnis
diese
Wahrnehmung mitbestimmen (1, 3).
5. Aufmerksamkeit: Auswahl aus zu vielen Informationen
Aufmerksamkeit
ist
notwendig,
weil
nicht
alle
Informationen
gleichzeitig
vollständig
verarbeitet
werden
können.
Sie
wirkt
wie
ein
Auswahl-,
Gewichtungs-
und
Kontrollsystem.
Bestimmte
Reize
werden
hervorgehoben,
andere
abgeschwächt
oder
ausgeblendet.
Kognitive
Psychologie
untersucht
deshalb,
wie
selektive
Aufmerksamkeit
funktioniert,
wie
sie
begrenzt
ist
und
wie
automatische
und
kontrollierte Prozesse miteinander konkurrieren (1, 2, 3).
Klassische
Experimente
zur
selektiven
Aufmerksamkeit
sind
dichotische
Höraufgaben.
Dabei
werden
beiden
Ohren
gleichzeitig
unterschiedliche
Informationen
dargeboten,
während
die
Versuchsperson
nur
einem
Kanal
folgen
soll.
Solche
Untersuchungen
führten
zu
Filtermodellen
und
Abschwächungsmodellen
der
Aufmerksamkeit.
Broadbent
nahm
eine
frühe
Filterung
irrelevanter
Reize
an,
während Treisman zeigte, dass unbeachtete Informationen nicht vollständig blockiert, sondern eher abgeschwächt werden können (1).
Ein
weiteres
zentrales
Experiment
ist
der
Stroop-Test.
Versuchspersonen
sollen
die
Farbe
benennen,
in
der
ein
Wort
gedruckt
ist,
obwohl
das
Wort
selbst
eine
andere
Farbe
bezeichnet.
Die
automatische
Tendenz,
das
Wort
zu
lesen,
stört
die
kontrollierte
Aufgabe,
die
Druckfarbe
zu
benennen.
Der
Stroop-Effekt
zeigt,
dass
kognitive
Kontrolle
notwendig
ist,
um
automatische
Verarbeitung
zu
hemmen
(3, 4).
In
der
klinischen
Anwendung
ist
Aufmerksamkeit
besonders
wichtig.
Angststörungen
gehen
häufig
mit
einer
erhöhten
Ausrichtung
auf
mögliche
Bedrohungsreize
einher.
Depressionen
können
mit
einer
bevorzugten
Verarbeitung
negativer
Informationen
verbunden
sein.
Die
kognitive
Psychologie
liefert
hier
ein
nüchternes
Modell:
Nicht
„die
Wirklichkeit“
allein
bestimmt
die
Reaktion,
sondern
auch
die
Auswahl dessen, worauf Aufmerksamkeit gerichtet wird.
6. Gedächtnis und Wissen
Gedächtnis
ist
kein
einfacher
Speicher,
in
dem
Erfahrungen
unverändert
abgelegt
werden.
Es
umfasst
Enkodieren,
Speichern,
Konsolidieren,
Abrufen
und
Rekonstruieren
von
Informationen.
Die
kognitive
Psychologie
unterscheidet
verschiedene
Gedächtnissysteme:
sensorische
Speicher,
Kurzzeitgedächtnis,
Arbeitsgedächtnis,
Langzeitgedächtnis,
episodisches
Gedächtnis,
semantisches Gedächtnis und prozedurales Gedächtnis (1, 3).
Experimente
zum
ikonischen
Speicher,
insbesondere
die
Arbeiten
von
Sperling,
zeigten,
dass
visuelle
Informationen
sehr
kurzzeitig
in
größerem
Umfang
verfügbar
sind,
als
unmittelbar
berichtet
werden
kann.
Untersuchungen
zum
Kurzzeitgedächtnis
machten
deutlich,
dass
Informationen
ohne
Wiederholung
rasch
zerfallen
oder
durch
neue
Informationen
verdrängt
werden.
Das
Arbeitsgedächtnis
wird
heute
nicht
nur
als
passiver
Speicher
verstanden,
sondern
als
aktives
System,
das
Informationen
kurzfristig
verfügbar
hält
und
bearbeitet (1).
Besonders
wichtig
ist
die
rekonstruktive
Natur
des
Gedächtnisses.
Erinnerungen
werden
nicht
einfach
abgerufen
wie
Dateien,
sondern
beim
Erinnern
teilweise
neu
zusammengesetzt.
Vorwissen,
Erwartungen,
spätere
Informationen
und
emotionale
Bedeutung
können
beeinflussen,
was
erinnert
wird.
Das
ist
für
die
Psychotherapie
bedeutsam,
weil
biographische
Erinnerungen
ernst
zu
nehmen
sind,
ohne sie als objektive Aufzeichnung misszuverstehen.
7. Wissensrepräsentation, Schemata und innere Modelle
Kognitive
Psychologie
fragt
nicht
nur,
was
Menschen
wissen,
sondern
auch,
wie
Wissen
innerlich
organisiert
ist.
Begriffe,
Kategorien,
Schemata,
semantische
Netzwerke,
mentale
Modelle
und
kognitive
Karten
sind
Versuche,
diese
Organisation
zu
beschreiben.
Solso
definiert innere Repräsentationen als Transformation von Hinweisreizen aus der Umwelt in bedeutungstragende kognitive Symbole (1).
Schemata
helfen,
komplexe
Situationen
schnell
zu
verstehen.
Wer
ein
Restaurant
betritt,
weiß
meistens
ohne
lange
Analyse,
welche
Rollen,
Abläufe
und
Erwartungen
gelten.
Solche
Schemata
sparen
kognitive
Arbeit.
Sie
können
aber
auch
Wahrnehmung
und
Erinnerung
verzerren.
Man
sieht
dann
nicht
mehr
nur,
was
geschieht,
sondern
interpretiert
es
im
Rahmen
bereits
vorhandener
Erwartungen.
In
der
Verhaltenstherapie
ist
dieser
Gedanke
unmittelbar
relevant.
Viele
Patienten
leiden
nicht
nur
unter
einzelnen
Gedanken,
sondern
unter
stabilen
Grundannahmen,
Selbstbildern
und
Erwartungsmustern.
Kognitiv
formuliert
geht
es
dann
um
Schemata:
etwa
„Ich
darf
keine
Fehler
machen“,
„Andere
lehnen
mich
ab“,
„Ich
bin
nicht
sicher“,
„Ich
muss
funktionieren“
oder
„Gefühle
sind
gefährlich“.
Entscheidend
ist,
solche
Muster
nicht
mystisch
zu
deuten,
sondern
als
gelernte
und
überprüfbare
Informationsverarbeitungsstrukturen
zu verstehen.
8. Denken, Problemlösen und Entscheiden
Denken
umfasst
Schlussfolgern,
Planen,
Bewerten,
Vergleichen,
Problemlösen
und
Entscheiden.
Problemlösendes
Denken
wird
dann
notwendig,
wenn
ein
Ziel
nicht
routinemäßig
erreicht
werden
kann.
Funke
beschreibt
Problemlösen
als
Füllen
von
Lücken
in
einem
Handlungsplan: Es wird eine gedankliche Repräsentation erstellt, die den Weg vom Ausgangs- zum Zielzustand überbrücken soll (7).
Klassische
Ansätze
beschreiben
Probleme
als
Differenz
zwischen
Ist-Zustand
und
Soll-Zustand.
Die
Person
muss
geeignete
Operatoren
finden,
um
diese
Differenz
zu
verringern.
Dabei
können
Strategien
wie
Mittel-Ziel-Analyse,
Versuch
und
Irrtum,
Analogiebildung,
Heuristiken
oder
Einsicht
eingesetzt
werden.
Die
Gestaltpsychologie
betonte,
dass
Problemlösen
manchmal
durch
Umstrukturierung gelingt: Das Problem wird plötzlich anders gesehen, wodurch eine Lösung möglich wird (7).
Ein
wichtiger
Forschungsbereich
ist
die
Expertiseforschung.
Experten
unterscheiden
sich
von
Novizen
nicht
nur
dadurch,
dass
sie
„mehr
wissen“,
sondern
dass
sie
Probleme
anders
strukturieren.
Sie
erkennen
Tiefenstrukturen,
greifen
auf
reichhaltiges
Erfahrungswissen
zurück
und
arbeiten
oft
vorwärts
von
den
gegebenen
Informationen
zur
Lösung.
Novizen
orientieren
sich
eher
an
Oberflächenmerkmalen oder arbeiten rückwärts vom Ziel her (7).
Für
die
Therapie
bedeutet
das:
Problemlösen
ist
nicht
nur
eine
Frage
von
Intelligenz,
sondern
auch
von
Struktur,
Wissen,
emotionalem
Zustand,
Transparenz
der
Situation,
Stress,
Handlungszielen
und
verfügbaren
Strategien.
Viele
Lebensprobleme
werden
schwerer
lösbar, wenn Angst, Grübeln, Vermeidung oder Erschöpfung die kognitive Flexibilität einengen.
9. Sprache und Bedeutung
Sprache
ist
ein
zentrales
Werkzeug
kognitiver
Verarbeitung.
Sie
erlaubt
es,
Informationen
zu
ordnen,
Erfahrungen
zu
benennen,
Regeln
zu
formulieren,
Beziehungen
zu
beschreiben
und
Zukunft
zu
planen.
Kognitive
Psychologie
untersucht,
wie
Wörter
erkannt,
Sätze verstanden, Bedeutungen erschlossen und sprachliche Äußerungen produziert werden (1, 3).
Sprache
ist
dabei
nicht
nur
Kommunikation
nach
außen,
sondern
auch
Teil
innerer
Selbststeuerung.
Menschen
formulieren
Erwartungen,
Selbstbewertungen
und
Handlungsregeln
sprachlich.
Innere
Sätze
wie
„Ich
darf
nicht
auffallen“,
„Das
wird
schiefgehen“,
„Ich muss perfekt sein“ oder „Ich halte das nicht aus“ können Verhalten und Emotionen erheblich beeinflussen.
Für
eine
kognitive
Verhaltenstherapie
ist
daher
nicht
nur
wichtig,
was
jemand
erlebt,
sondern
auch,
wie
er
es
sprachlich
strukturiert.
Sprache
kann
ein
Fenster
in
kognitive
Muster
sein.
Gleichzeitig
kann
sprachliche
Umformulierung
helfen,
starre
Bewertungen
flexibler
und überprüfbarer zu machen.
10. Kognitive Neurowissenschaft
Die
kognitive
Neurowissenschaft
verbindet
kognitive
Psychologie
mit
Hirnforschung.
Sie
fragt,
welche
neuronalen
Systeme
an
Wahrnehmung,
Aufmerksamkeit,
Gedächtnis,
Sprache,
Entscheidung,
Handlungssteuerung
und
Problemlösen
beteiligt
sind.
Solso
beschreibt
die
kognitive
Neurowissenschaft
als
Verbindung
von
Neurowissenschaft
und
kognitiver
Psychologie,
insbesondere
bezogen
auf Gedächtnis, Empfindung, Wahrnehmung, Problemlösen, Sprachverarbeitung, motorische Funktionen und Kognition (1).
Rösler
betont,
dass
die
Verbindung
zwischen
Psychologie,
biologischen
Korrelaten
und
Modellierung
kognitiver
Prozesse
im
Zentrum
der
kognitiven
Neurowissenschaft
steht.
Es
geht
also
nicht
darum,
psychische
Prozesse
einfach
auf
Gehirnaktivität
zu
reduzieren,
sondern darum, psychologische Phänomene, neuronale Grundlagen und formale Modelle aufeinander zu beziehen (6).
Diese
Perspektive
entspricht
einer
wissenschaftlich
nüchternen
Haltung:
Psychische
Prozesse
sind
real,
aber
sie
sind
nicht
losgelöst
vom
Körper.
Denken,
Erinnern,
Bewerten
und
Entscheiden
beruhen
auf
biologischen
Systemen,
die
durch
Lernen,
Erfahrung,
Emotion
und
Umwelt
beeinflusst
werden.
Gerade
in
der
Psychotherapie
ist
dies
wichtig:
Veränderung
ist
nicht
nur
„Reden“,
sondern
auch
Lernen, Umlernen, Aufmerksamkeitsverlagerung, neue Erfahrung und Veränderung von Reaktionsmustern.
11. Kognitive Psychologie und Psychotherapie
Kognitive
Psychologie
ist
für
Psychotherapie
zentral,
weil
psychische
Beschwerden
häufig
mit
Informationsverarbeitung
zusammenhängen.
Angst,
Depression,
Zwang,
Trauma,
soziale
Unsicherheit
oder
chronische
Belastung
verändern
nicht
nur
Gefühle,
sondern auch Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Bewertung, Erwartung und Handlungsvorbereitung.
Die
klinische
kognitive
Wissenschaft
versucht,
solche
Prozesse
genauer
zu
modellieren.
Neufelds
Band
zur
klinischen
kognitiven
Wissenschaft
zeigt,
dass
formale
Modelle
genutzt
werden
können,
um
kognitive
Defizite,
Entscheidungsprozesse,
Aufmerksamkeit,
Kategorisierung,
Gedächtnissuche,
automatische
und
kontrollierte
Verarbeitung
sowie
Symptome
psychischer
Störungen
differenzierter
zu
untersuchen
(8).
Damit
wird
deutlich:
Kognitive
Begriffe
sind
dann
therapeutisch
wertvoll,
wenn
sie
nicht
nur
Etiketten
sind,
sondern
messbare und modellierbare Prozesse beschreiben.
Für
die
kognitive
Verhaltenstherapie
folgt
daraus
ein
klares
Arbeitsprinzip:
Man
fragt
nicht
nur
„Was
fühlen
Sie?“,
sondern
auch:
„Was
haben
Sie
wahrgenommen?
Was
haben
Sie
daraus
geschlossen?
Welche
Erwartung
wurde
aktiviert?
Welche
Erinnerung
spielte
eine
Rolle?
Welche
Handlung
wurde
dadurch
vorbereitet?
Welche
Konsequenz
hat
das
Verhalten
kurzfristig
und
langfristig?“
Auf
diese
Weise wird aus innerem Erleben ein nachvollziehbarer Prozess, an dem therapeutisch gearbeitet werden kann.
12. Wissenschaftliche Haltung: Innere Prozesse ja, Spekulation nein
Die
kognitive
Psychologie
zeigt,
dass
wissenschaftliche
Psychologie
innere
Prozesse
untersuchen
kann,
ohne
spekulativ
zu
werden.
Wahrnehmung,
Aufmerksamkeit,
Gedächtnis,
Bewertung
und
Denken
sind
nicht
unmittelbar
sichtbar,
aber
sie
können
über
Experimente, Aufgaben, Fehleranalysen, Reaktionszeiten, neuropsychologische Befunde und formale Modelle erschlossen werden.
Damit
ist
die
kognitive
Psychologie
ein
gutes
Beispiel
für
eine
wissenschaftlich
verantwortliche
Psychologie:
Sie
nimmt
das
Innere
ernst,
verlangt
aber
methodische
Kontrolle.
Sie
erklärt
Verhalten
nicht
mit
freien
Deutungen,
sondern
mit
überprüfbaren
Annahmen.
Sie
arbeitet mit Modellen, bleibt aber bereit, diese Modelle an Daten zu korrigieren.
Für
meine
therapeutische
Haltung
ist
genau
das
wesentlich.
Psychotherapie
sollte
psychisches
Leiden
nicht
mystifizieren.
Sie
sollte
verständlich
machen,
wie
Wahrnehmung,
Bewertung,
Erinnerung,
Körperreaktion,
Gefühl
und
Verhalten
zusammenwirken.
Je
klarer
diese Prozesse beschrieben werden, desto gezielter kann Veränderung stattfinden.
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